Rhodes 07.11.-10.11.

Veröffentlicht auf von Sephi und Sebastian von Eltz-Rübenach

07. – 10.11.

 

Aus Lesotho kommend sind wir gleich nach dem Grenzübergang nach links in eine Schotterstrasse abgebogen, der wir ohne auch nur einem Auto zu begegnen für gut 3,5 Stunden durch die absolute Einsamkeit folgen. Durch ein verwunschenes Flusstal geht es in Serpentinen den Berg hinauf. Unser Auto wird mal wieder auf äußerste strapaziert und wir selbst ordentlich durchgeschüttelt. Langsam schließt sich die Staubschicht auf unserem Armaturenbrett. Die Straße folgt ungefähr dem Verlauf der Grenze nach Lesotho in Richtung Süden. Um die Mittagszeit passieren wir einige dünn besiedelte Regionen. Unendlich viele Kinder kommen uns auf ihrem Nachhauseweg von der Schule entgegen. Gemäß unserer Tachoanzeige legen einige von ihnen an die 10 km Fußweg zurück. Schließlich lassen wir auch die letzten Häuser hinter uns und folgen der Strasse in engen Kurven hoch in die Berge. Unserer Karte nach zu urteilen müsste sie uns eigentlich über einen Pass führen. Es dauert sehr viel länger als wir ursprünglich antizipiert hatten, doch die Ausblicke entschädigen die Tortur.


Stellt man den Wagen ab und geht in dieser Einsamkeit einige Schritte, dann glaubt man in der Stille seinen eigenen Herzschlag zu hören. Ein paar Esel, die hier oben weiden schauen uns verwundert dabei zu. Auf der anderen Seite des Passes geht es genauso einsam weiter. Nach einer weiteren Stunde ohne Zeichen jeglicher Zivilisation passieren wir eine abgelegene Polizeistation und gar nicht viel weiter bringen uns zwei erfreut winkende Damen zum Anhalten: ob wir sie bitte mitnehmen könnten. Noch bevor unsere aus sämtlichen Reiseführern angelesenen Vorsichtsmaßnahmen durch unseren Kopf schießen, beginnen die beiden Damen auch schon damit ihre Habseligkeiten in den Kofferraum zu bugsieren. Kurz drauf sind wir zu viert unterwegs. Wir erfahren, dass die beiden in einer hiesigen Schule unterrichten und heute für das Wochenende nach Hause reisen. Es ist kurz nach 14Uhr als wir die beiden auflesen. Auf die Frage seit wann sie denn schon in dieser Einsamkeit warten würden kriegen wir vergnügt zu hören: seit kurz vor 11. Die beiden bestreiten ihre Heimreise jedes Wochenende auf diese Weise. Und das es heute so gut geklappt hätte sei schon ein Glück – manchmal könnte es noch viel länger dauern. An einer nicht weniger einsamen Weggablung eine gute Stunde später setzen wir die beiden Damen wieder ab, denn sie müssen nach rechts und wir nach links. Auf unserer Weiterfahrt kommt uns schon bald ein Farmer mit großem Auto entgegen und wir stellen uns vor, dass er die beiden aufsammelt und ihrem Ziel wieder ein Stück näher bringt.

Am frühen Abend endet unsere Fahrt in einem kleinen Ort namens Rhodes. Der Ort wirkt auf den ersten Blick ziemlich verschlafen. Mit etwas Glück können wir ein super gemütliches Cottage beziehen, welches uns schon bei Einfahrt in den Ort aufgefallen war. Für wirklich kleines Geld kommen wir in den Genuss einer herrlichen Bleibe mit kleinem Garten und einem traumhaften Ausblick von der Veranda auf die Berge.

Rhodes besteht aus einem rasterförmig angelegtem Netz von Schotterstraßen, welches man bequem inklusive Kaffeepause an einem Vormittag erlaufen kann. Die Straßen werden großteils gesäumt von uralten Kiefernbäumen unter denen sich kleine bunte viktorianische Häuser ducken. Die meisten dieser Häuser sind inzwischen reine Ferienhäuser, werden von ihren Besitzern aber liebevoll in ihrer alten Bausubstanz erhalten. Der Kreis derer die permanent hier leben ist überschaubar klein. Im Winter erlebt der Ort für wenige Wochen den Ausnahmezustand. Dann kommen die südafrikanischen Wintersportler in Scharen und die Bevölkerung verdoppelt, verdreifacht sich für kurze Zeit. Im Sommer gilt Rhodes eigentlich als ausgesprochenes Paradies für Angler, insbesondere Fliegenfischer. Doch der ausbleibende Regen lässt nicht mehr als ein kleines Rinnsal am Ort vorbeifließen. Wir erleben demnach drei sehr ruhige erholsame Tage und zwei legendäre Abende in der einzigen ernstzunehmenden Bar im Ort. Wesentliche Protagonisten in diesem abendlichen Schauspiel bilden Francois, der Barkeeper und Quinton, seines Zeichens Guide fürs Fliegenfischen. Getreu dem Motto: wenn eben keine Touristen kommen, dann feiern wir auch ohne sie haben die beiden bereits einen etablierten Rausch als wir gegen 18 Uhr zu ihnen stoßen. Als wir schließlich gegen 23 Uhr das Lokal verlassen liegt Quinton hinter der Bar, die zwei übrigen Touristen, die neben uns derzeit im Ort weilen, tanzen engumschlungen zur schier unerträglichen Afrikaansmusik und Francois wächst in seinem Engagement alle Gäste zufrieden zu stellen über sich selbst hinaus. Inzwischen hat er dann auch verstanden, dass Sephi gar keinen Alkohol trinken darf und ihr Anteil immer bei mir landet.

Eine Bergtour scheint mir das adäquate Mittel gegen den Kater und so besteige ich am nächsten Morgen einen der umliegenden Berge. Von hier oben hat man einen genialen Blick auf den Ort und die umliegende Landschaft. Es fällt auf, dass der Teil von Rhodes in dem wir leben nur ca. ein Drittel der Bevölkerung beheimatet, dafür aber weit großzügiger angelegt und im Schatten der eingangs beschriebenen Kiefernbäume liegt. Der weitaus größere Anteil der Bevölkerung lebt im vorgelagerten Township. Etwa 500 Menschen leben hier unter ärmlichsten Verhältnissen. Die meisten von ihnen arbeiten auf den Farmen der Umgebung. Es kommt uns irrwitzig vor, dass auf der einen Seite wunderbare Häuser gehalten werden, um für wenige Wochen im Jahr als Feriendomizil zu dienen und wenige Meter davon entfernt drängen sich ganze Familien in kleinsten Behausungen aus Wellblech.


Diese Gegensätze scheinen uns so bezeichnend für Südafrika.  

Werbung
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post